:: Abtransport zur Müllhalde :: 29. August 2003 :: 04:11 Uhr ::
Give me Soma! Don't you know what that is? Don't you feel it? Don't your feel the pain, too? It's haunting me..
Welch pracht, diese Welt; die Natur, in der jedes Tier ausschliesslich zum Ziel hat sich selbst zu vermehren und sein Leben lang andere zu unterdrücken. Ist der Mensch da anders? nein, er ist wohl eher nur noch schlimmer. Er will sich nicht nur selbst vermehren sondern auch noch möglichst viel vom Leben in seinem Leben auskosten. Auskosten auf die Kosten anderer wenn es sein muss. Nein, nicht nur wenn es sein muss, sondern auch wenn es nicht sein muss sondern nur sein kann. Wie war das? "The one who breaks a thing to find out what it is has left the path of wisdom"? Wie eine Herde wilder Tiere, aufgegeilt von Vorfreude und Alkohol stürmen also wochenendlich Massen von Selbstdarstellern in Großraumdiscos um möglichst vielen anderen gleichzeitig zu Zeigen wie toll sie sind und um möglichst viele andere gleichzeitig zu unterdrücken. Dass die größte Menge eher unterdrückt wird als selbst unterdrückt, ist mehr Ansporn als Ekel das nächste mal wieder zu kommen. Ich gebe zu, ich habe schlechte Laune.
Wir haben heute Pillen, die einem bei Depressionen helfen. Wir haben auch Pillen, die schon bei schlechter Laune helfen, denn schlechte Laune ist auch eine ernste Krankheit, die bekämpft werden muss. Depressionen sind ein Mangel an bestimmten Botenstoffen, wodurch Informationen im Gehirn dann nicht mehr oder nicht mehr so schnell verarbeitet werden können -- man fühlt sich träge, jede Bewegung "schmerzt". Aber ist Glück nicht einfach eine Überversorgung mit Endorphinen? Sollte man diese Abweichung vom Normalmaß nicht auch Medikamentös unterdrücken? Wenn ich glücklich sein will könnte ich auch einige illegale Pillen schlucken und wäre fröhlich wie noch nie, aber wenn ich unglücklich bin dann soll ich legale Pillen schlucken damit diese "Unglücklichkeit" aufhört? Ist schlechte Laune wirklich so etwas wie Husen oder Schnupfen? Ich will nicht entkräften, dass schlechte Laune oder Depressionen oder Winterdepressionen oder ähnliches etwas unangenehmes sind, sonst wäre es ja auch keine schlechte Laune bzw. keine Depression bzw. keine Winterdepression, aber macht man es sich nicht etwas zu einfach, wenn man gegen Depressionen ein paar Pillen schluckt aber nichts an den eigentlichen Ursachen ändert, die [meistens] nicht nur in einer rein zufälligen Unterversorgung des Hirns mit Botenstoffen, sondern eben dann doch in schlecht laufenden Beziehungen oder negativen Lebenserfahrungen stecken? Liegt die Ursache von Winterdepressionen wirklich ausschließlich an der Tatsache, dass im Winter die Sonne weniger scheint? Oder ist es nicht doch viel eher so, dass der Mangel an der Über-blendung durch die Sonne und die ruhigere Stimmung einfaches Denken ausgelöst wird? Und das nun mal auch bei Leuten, die ununterbrochen Lachen wollen, deren bester Freund eine Figur aus einer Daily-Soap ist und bei denen deswegen der Beginn von denken auch der Beginn von Selbstzweifeln ist? Man nenne mich einen Schwarzseher, doch der Tag hat nun mal nicht 24 Stunden Sonnenschein, wie es in so mancher Fernseh-Seifenoper scheint. Niederlagen sind nicht nur Pausenfüller zwischen den Momenten prallen Glückes, sondern sind autonom und können auch einmal "das Ende" für einen bestimmten Lebensabschnitt sein. Doch wer sich täglich von schlechten Story-writern Geschichten erzählen lässt, in denen das Schlimmste, was geschieht, die 5 Minuten Werbung nach dem Moment der einzigen Spannung der 24376ten Folge sind, gerät schnell in eine Scheinwelt. Diese Scheinwelt besteht dann zum einen aus einer nicht gerade interessanten Arbeit die eher widerwillig ausgeführt wird, denn in ihr wird man oftmals noch mit der gehassten Realität konfrontiert und zum anderen aus einer großen Seifenblase, gefüllt mit leckeren Cola-Kochbuchgerichten, Taschentüchern die auch beim härtesten Nießer nicht reißen, Gefrierbeuteln mit Reißverschluss-Verschließtechnik und vielem ähnlichen, was allein eigentlich nicht weiter schlimm wäre, aber auch voll mageren Idealbildern die immer wieder erzählen wie gerne sie doch Schokolade essen, sonnengebräunten Schwärmen leichtbekleideter Grinsgesichter die ihre tolle Stimme Live im Fernsehen mit Playback beweisen, Diskobekanntschaften die man ab und zu bei sich daheim im Bett hat und Freundschaften über die man in wieder anderen Freundschaften selbst nur lästern kann.
Wer dann aber mal an einem lauschigen Winterabend aus dem ununterbrochenen Sog von Aktionen und Animationen herausfällt, wer sich plötzlich allein im Zimmer vor dem Fernseher fühlt und es trotz Dauerbesäuselung doch einmal still im Zimmer wird, der fällt in ein tiefes Loch der Erkenntnis. Wenn man in diesem Augenblick nicht durch kommerzielle Schlechte-Laune-Musik aufgefangen und auf halbem Wege in einer Art "Sicherheits-Seifenblase" von der Erkenntnis ferngehalten wird, dann fängt man an, sich in der Realität anstatt in einer mit Wattebäuschchen ausgelegten Scheinwelt zu begreifen. Neben vielen positiven Fällen, in denen diese in einem Sinne erste, im anderen letzte Anregung einen Wandel hin zu mehr Einsatz des eigenen Gehirns in allen Lebensbereichen mit sich bringt, neben diesen vielen Fällen gibt es eben auch Fälle in denen eine Fratze des Erkenntnisekels auftaucht. Man will nicht erkennen. Man steckte vielleicht schon viel zu lange viel zu tief in dieser Scheinwelt, wurde von Scheinfreunden im Fernsehen oder Scheinbeglückern aus der Werbung viel zu häufig viel zu gut Unterhalten, als dass man es nun verkraften würde von einem Augenblick zum nächsten all dies selbst als zerplatzende Seifenblase zu erkennen. In diesem Augenblick springen die klugen Pharmakonzerne helfend zur Seite, unterstützt von einem Haufen gut Organisierter Psychologen die sich mit jedermanns Seele genauestens auszukennen vorgeben. Dieser gefährlich mächtige Verbund springt zu Hilfe und zückt seine Waffen in Form von Spritzen und Pillen und monotonen Worten mit denen der frisch erwachte Patient wieder aus seinem schlimmen Zustand des selbst-denkens errettet werden soll. Das "warum" und "wieso" wird betäubt und verstümmelt, bis der Patient wieder zurückgeholt ist in die Welt der multimedialen Dauerunterhaltung und des oberflächlichen Glücks. Noch einige Sitzungen in denen überprüft wird, ob die Intelligenz doch wieder durchbricht oder ob man es geschafft hat, diesen Menschen wieder auf das Niveau eines Tieres zu setzen. Schon tanzt wieder eine Person mehr Cocktailschlürfend in der Großraumdiskothek während eine Welt von eigenen Gedanken mehr auf ihren Abtransport zur Müllhalde wartet.
:: Informationszeitalter :: 22. März 2003 :: 00:23 Uhr ::
Ja, der Irak Krieg ist in vollem Gange, B-Day has come, wie unser norddeutscher Freund Rumsfeld sagte. Auch wenn es viele nicht zugeben wollen -- alle sind heiß auf die neusten Bilder, möglichst mitten aus Bagdad und mit großen Explosionen und viel Krach. Das sind Bilder die uns die neuste Nachrichtentechnik bringt. Waren es früher ausschließlich unscharfe schwarz/weiß Bilder, die vom Militär nochmals verwaschen wurden bis man nur noch kleine schwarze Klumpen am Boden gesehen hat, die von noch kleineren schwarzen Punkten getroffen werden um dann in einem großen weißen Ball zu explodieren, so stehen heute viele Kameras in Bagdad und man kann in Farbe und Bunt mit halbwegs guter Auflösung irgendwelche brennenden Gebäude sehen und wärend man staunend in die Feuersbrunst glotzt wird man von einem Moderator noch mit den scheinbar wichtigsten Informationen versorgt: 3000 Bomben wollen die "Alliierten" wie sie inzwischen schon wieder genannt werden verballern, 1500 davon binnen der nächsten 24 Stunden. Die Explosionen die Aktuell zu sehen sind werden uns von Cruise-Missiles dargeboten. Der Reporter ist ein ganz ein schlauer und fügt noch hinzu, man sähe dies an der schrägen Einschlagrichtung. Die Gebäude sind Irakische Regierungsgebäude -- das weiß man, weil es einem ebenfalls der Reporter eingeflüstert hat, und der hat es vom US-Militär, und die kennen sich ja in Bagdad gut aus -- auch wenn sie noch nie dort waren. Wie das "US-Militär" aussieht, das fragt sich auch keiner, das Militär an sich als abstrakter Begriff kann wohl noch nicht einmal sprechen. Spaß ist, was ihr drauß macht!
Es bleibt auch gar keine Zeit nachzufragen, denn schon wird man [Chips essend in einem Sessel, die Beine hochgelegt] von der Fernsehanstalt in die Südregion des Irak geschleudert. Dort ist es noch interessanter, dort fahren gerade die Panzer mit Höchstgeschwindigkeit, und wärend man vom Moderator auch hierzu Typbezeichnung, Bewaffnung und Besatzung vorgetragen bekommt sieht man eine schöne Wüstenlandschaft an den knatternden Kolossen vorbei ziehen und der Live-Korrespondent plappert auch schon wieder mitten dem Moderator hinein. So geht es Stunde um Stunde, "Live-Event" und "Breaking News" werden durch noch livere Events und noch brechendere Neuigkeiten abgelöst und das ganze gleicht einer Hetzjagt in der bis zum Äußersten gehetzt wird, bei der aber keiner mehr das eigentliche Ziel sieht. Denn das Ziel ist Information, und die wird von den dicken Panzern rücksichtslos niedergewalzt. Be the first to know.
Und wenn man es endlich mal übers Herz gebracht hat den Fernseher abzuschalten und sich vom Strom der aktuellen Nachrichten abzukapseln wird ersteinmal eine Verschnaufpause nötig. Dann kommt man ins sinnen und denkt zurück. Nicht an den Afghanistan-krieg, nicht an Irak Part One, nicht an Vietnam und auch nicht an WWII und WWI. Nein, auch davor gab es schon Geschichte [wenn sie auch von niemandem je erwähnt wird]. Keine Angst, ich habe nicht vor wieder eine der unzähligen unnachprüfbaren Skandalgeschichten und Pseudo-Hintergrund Infos auszupacken, nein, ich will noch weiter gehen. Damals, als es noch Kreuzzüge gab. Jetzt einmal ganz Wertfrei gesagt. Da wurde auch in der Nähe des Irak gekämpft, auch wenn es da noch keinen Irak gab, und kein Israel und in Amerika hatten noch die Indianer das Wort. Schon damals hat eine Weltmacht -- die katholische Kirche -- sich entschlossen, einen Angriffskrieg zu führen. Tausende und abertausende sind dem Ruf gefolgt und haben sich auf die Reise begeben um die heilige Stätte Jerusalem zu "befreien". Ich frage mich, wie die Leute hier in Deutschland damals leben konnten, wenn Sie so von den Geschehnissen abgetrennt waren. Die Männer der hungerleidenden Frauen und Kinder sind losgezogen um für ihre-, nein, besser gesagt die Ideale einer absolutistisch regierenden Minderheit zu kämpfen. Die Männer waren oftmals Jahre lang weg. Die Informationen waren nicht nur durch drei oder vier sondern durch hunderte von Instanzen gegangen bis sie Wochen später wieder im eigenen Land ankamen. Wie konnten die Menschen das nur aushalten? Vielleicht indem sie sich auf ihre tägliche Arbeit konzentriert haben. Sie sind trotz der Ereignisse in der Ferne mit ihrer Seele daheim geblieben. Daran sollten wir uns ein kleines Beispiel nehmen, denn etwas Abstand kann in diesen Zeiten nicht schaden -- auch wenn es doch zu verlockend ist immer am Ball zu sein, sozusagen die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt.
Es kann einem doch völlig egal sein, ob die zerstörten Gebäude nun in Bagdad, in Nairobi oder in den Alpen stehen. Es ist doch egal ob die Rakete eine Cruise-Missile oder eine Al-Hussein ist. Es ist egal, ob Abdul, Hanaya oder Mike, George, Donald oder Felix gestorben ist. Wichtig ist nur, dass eine vom Mensch allein zur Zerstörung kontruierte Waffe in ein Haus eingeschlagen ist, in dem der Mensch leben will, bei dem manche Menschen ein leben lang Sparen, nur um sich ein eigenes Heim hinzustellen. Es könnte auch das Haus sein in dem Ich gerade lebe. Und vor allem zählt jedes einzelne Menschenleben. Jeder Mensch besteht nicht nur aus einer Ansammlung von Organen die in eine tierische Hülle gezwängt wurden. Jeder Mensch hat ganz persöhnliche Ziele, hat ganz persöhnliche Gefühle. Vielleicht hatte er sich mit seiner Freundin zerstritten und wollte noch um Verzeihung bitten. Vielleicht trug sie ein Kind in sich und wollte es gerade ihren Eltern erzählen. Jedes Leben zählt, und auch das eigene leben zählt, und jede Stunde die wir in Fernsehen stecken verpassen wir es, nach draußen zu gehen und zu beobachten, wie der Wind sanft durch die kargen Äste der Bäume und die grün knospenden Zweige der Büsche streicht, wie sich die einzelnen Gräser biegen und wieder aufstellen in einem harmonischen Reigen mit unsichtbarem Dirigent, und dass man seine Brille immer schon bei Fielmann hätte kaufen sollen, das ist in solch einem Moment dann auch irgendwie egal.
Wenn sich instrumentalisieren lassen zum Beruf der Jounalisten leider scheinbar untrennbar dazugehört; wenn die Frage nicht mehr Krieg / kein Krieg, sondern Geld / kein Geld heißt; wenn Krieg zum unterhaltsamen Abendprogramm wird, dann sollte man spätestens abschalten, sich zurücklehnen und einmal durchschnaufen. Have a break, have a Kitkat.
:: Begriffs-Definition :: 11. Feb 2003 :: 22:32 Uhr ::
Kurze Vorwarnung: Dieser Text ist nicht ästethisch, nicht gut geschrieben und ohne reflexionen. Wer was anspruchsvolles lesen will sollte sich lieber von diesem Schriftstück distanzieren und einem anderen zuwenden - die jeweilige Auswahl sei ihm selbst überlassen.
Soziale Interaktion. Woher kommt eigentlich die generelle Annahme, dass soziale Interaktion immer etwas positives sein muss? Wenn jemand einen anspricht, dann ist dies Zeichen für die offenheit der eigenen Person und dafür, dass der angesprochene zumindest auf Basis eines "kgt" - eines kleinsten gemeinsamen teilers [jaja, ihr Mathematiker, es gibt nur ggT und kgV in der Mathematik, aber hört mir mit dem Scheiß pedantismus auf] akkzeptiert wird. Dann gibt es jedoch Situationen wo ich gestehen muss das ich allein sein will. Der Allein-sein-wollende wird meist zutiefst bemitleidet. Bei den anderen wird dann sofort der Herd auf höchste Stufe gestellt und die Gerüchte-Küche eröffnet [haha, Scherz.]. Der arme Allein-sein-wollende [nennen wir ihn in Zukunft "Alleiner"] muss irgend etwas auf dem Herzen haben, was ihn bedrückt, denn wäre er normal, dann würde er doch an der durchgängig interessanten Konversation teilnehmen, sprich soziale Interaktion betreiben. Beep - Zonk. Leider Falsch.
Einer der mutigsten [meist eher eine der Mutigsten] wagt sich dann irgendwann, begleitet von den Glückwünschen und vorausgeschobenen Danksagungen an den "Patienten" heran. Vorausgeschobene Danksagungen sind eigentlich noch ein mal ein Thema für sich, denn solch extravaganten Dank erfährt normalerweise nur jemand wie ein Märtyrer, der ein solch großes Wagnis eingeht, dass es wahrscheinlich ist, dass er niemals wiederkehren wird - deswegen schonmal der vorgeschobene Dank, weils danach ja dann zu spät ist. Aber zurück zum Thema. Das vorgehen dieser ersten Mutigen gleicht sich weitgehend jedes mal: Vorsichtig wird sich an den Patienten herangetastet, noch mit einem Glas Wein bewaffnet, mit leicht niedergeschlagenen Augen, immer wieder durch einen kurzen Blick zurück zum eigenen Lager unterbrochen schlendert sie/er voran. Sich mit dem Patienten verbünden ist die erste Regel - und das um jeden Preis. Also erstmal traurig wirken, denn dass ist der Patient ja auch offensichtlich, und so schafft man gemeinsamkeiten, über die man dann alla "mir gehts schlecht, wie gehts denn Dir so?" ausnutzen kann. Beep - Zonk. Leider wieder Falsch.
Veranschaulichen wir also die Situation ein wenig: Der "Patient" sitzt in einer Ecke, denn in in irgend einer Ecke kann man immer allein sein [was ja sein eigentliches Zeil war, um es mal nicht zu vergessen]. Der Märtyrer, [vereinfachen wir es indem wir beim männlichen bleiben, obwohl, wie oben erwähnt, meist weibliche Subjekte diesen Job übernehmen - so alla Krankenschwestersyndrom] der Märtyrer ist nun also beim Opfer - äh, Patienten; hat sich mit einem Glas Wein neben ihn gesetzt, schaut traurig drein und versucht ein Gespräch zu erzwingen. Nochmal: Warum hat sich der Patient abgesondert? Er wollte nicht mit irgendwem reden [jetzt mal die teeniemäßigen ahhh-ich-bin-soo-depri Freaks, die durch Traurigkeit Mitleid und Gesellschaft erkaufen wollen ausgenommen]. Logische reaktion: Hingehen und ihn anlabern. Toll. Wie redet man jemanden, der alleine sein will an? Klar, auch schon gehört: Man macht auch einen auf Mitleid. Genau das ist nämlich das, was einer, der gerade seine Ruhe haben will jetzt braucht: Jemand, der auch "voll depri" ist. Noch schlimmer: Schlechte Schauspieler. Hier bemerkt der Alleiner sofort die heldenhafte Absicht des Märtyrers und fühlt sich bestimmt geehrt, wenn ihm - nur weil er ein bisschen alleine sein will - Geschichten wie für ein Kindergartenkind vorgespielt werden. Also immer den besten Schauspieler schicken, damit der dann mit dem Alleiner zusammen sein kann. Klingt allein von den jeweiligen Wortbedeutungen schon paradox, ist es auch; dafür gibts nur eins: Beep - Zonk. Leider Falsch.
Fast so gut wie das Gruppenermuntern. Eine ganze Gruppe gesellt sich zum Alleiner und versucht ihn aufzumuntern. Aufgemerkt: Es war immer noch nicht die rede davon, dass derjenige überhaupt schlecht gelaunt ist. Er will doch nur alleine sein. Mehr nicht. Einfach für eine gewisse Zeit keine soziale Interaktion. Ganz einfach. Wo soll er diesem Hobby nachgehen? Gibt es Clubs für Alleiner? Nein. Soll er daheim in seiner eigenen WG allein sein wollen? Geht auch schlecht, denn WG bedeutet Wohngemeinschaft, also viele Leute auf kleinem Raum. Soll er in den Park gehen? Zu den Sonntagsspaziergängern? Soll er in die Stadt gehen, zu den Stadtbummlern?
Viele Fragen und keine Antwort. Ist auch noch nicht sehr bekannt, dieses Problem, denn was steckt denn für ein Personenkreis hinter dem Problem? Leute, die allein sein wollen - wiederspricht sich also etwas mit dem bekannt machen. Unsere Gesellschaft wird immer offener. Jede freie Sekunde wird durch Fernsehgeplapper, Radiogeheul, Freitzeitparktroubel und sonstige Errungenschaften unserer Neuzeit eingenommen, so kommt es letztenendes dazu, dass niemand mehr mit langeweile, falls er denn mal eine hat, zurecht kommen kann. Was dann letztenendes in irgendwelchen ABM-Aktionen endet, wie zum Beispiel leztes Jahr in Erfurt, als ein Schüler nichts mehr zu tun hatte und dann eben aus langeweile ein paar Leute umgeschossen hat. Um das zu verhindern müssen wir verhindern, dass Leute wirklich freie Zeit haben. Wir dürfen nicht zulassen, dass jemand sich einfach bewusst an den Rand unserer Gesellschaft stellt und allem bunten Konsumwahnsinn und Happinessterror entkommt indem er sich einfach in eine Ecke stellt und nichts tut, nicht einmal mehr soziale Interaktion. Also los Märtyrer der Gegenwart: Wir haben die Freiheit erkämpft zu tun was wir wollen, also lasst uns verhindern, dass wir auch noch wollen was wir wollen.
:: Leben ohne Bücher :: 1. Feb 2003 :: 14:59 Uhr ::
Ich muss gestehen, dieses Topic habe ich nicht selbst erfunden [es ist von da wo her es klingt -- aus der Schule. Nicht aus meiner, aber aus einer]. Es ist eigentlich auch gar nicht das Thema, das man sofort damit assoziiert, was mich hier interessiert [denn würde ich über das Thema schreiben, dann würden mich nur alle dafür zum Teufel jagen a) weil ich es viel zu platt abhandeln müsste um nicht selbst beim schreiben einzuschlafen und b) weil es ein typisch langweiliges, unkreatives, pseudo-frisches scheiß Schulthema ist], sondern eher aus der anderen Perspektive, und die sieht eher real als poetisch aus:
Was also macht ein junger [evtl. tallentierter] Autor der seine Zukunft offen halten und sich nicht sofort total dem schreiben hingeben will? Genau, er schreibt einfach mal was, dann sucht er sich einen Verlag und fragt mal vorsichtig, ob die sein Werk wollen. Die wollen es erstmal -- nicht weil sie es wollen, sondern weil sie alles wollen, was kostenlos ist. Dann kommt es auf einen Stapel mit ganz viel anderem es von anderen jungen Autoren [die auch alle denken sie könnten schreiben] -- erst ganz oben drauf, dann kommt noch mehr es oben drauf und am Schluss liegt das Werk auf das dieser junge Autor so stolz war [es war sein bestes und größtes] mitten in einem Stapel und all die freien Gedanken werden von anderen freien Gedanken zusammen gedrängt. Dann kommt ein Lektor [jetzt kommen wir eindlich zum Thema] dessen Leben quasi nur aus Büchern zu bestehen scheint. Er liest täglich zehn Stunden -- beruflich. Und er liest inzwischen ganz schön schnell. Er fliegt nur so über die Wörter, Zeilen, Seiten, es' hinweg -- und die meißten davon dann in seinen Papierkorb. Er schreibt kurz noch den Namen des Autors auf die liste der jungchen, die dann einen Standardbrief erhalten so in der Art von "Tut uns leid, uns hat ihr es gefallen, aber leider können wir es trotsdem nicht drucken -- wir haben wegen der Konjunkturflaute zur Zeit nicht genügend Mittel um sie in unseren Kanon aufzunehmen." -- Wieder ein zu Tode betrübter zukünf-Tiger. Aber mal zurück zu unserem netten Lektor. "Lektor. Hannibal Lektor" -- so witzelt er gerne über seinen Beruf, und es steckt ein wahrer Kern dahinter der diesem Witz etwas trüb-sarkastisches gibt, doch den wird er selbst nie realisieren können. Er denkt er hat alle Techniken der Textinterpretation drauf, er erkennt inzwischen 999 von 1000 Alliterationen auf den ersten Blick und braucht nur einen Durchgang, um einen Satz mit 13 Nebensätzen zu verstehen. Denkt er. Nichts gegen seine Statistiken, er hat dafür schon die Betriebsinterne Ehrenstecknadel 3.Grades bekommen und dazu noch eine Flasche alkoholfreien Sekt. Er ist der schnellste Lektor von allen und schafft bis zu 20 es am Tag. 19 davon fliegen in den Papierkorb. Sie haben zu wenige Metaphern und Alliterationen, außerdem ist der Schreibstil nicht Massenkonform, das Sujet ist schon zu oft abgehandelt und last but not least gefällt dem Lektor das Gesicht des Autors nicht. So fliegen also 19 von 20 Gedankenwelten in den Papierkorb der sich dadurch zum Postmodernen Massengrab verzerrt und nur selektiertes Gedankengut wird weitergereicht. Zensur? Nein, das würde wirklich zu weit gehen, denn der Autor hat ja noch die Chance bei vielen anderen Verlagen vorzutreten und seine Seele immer und immer wieder aufs neue einem ihm unbekannten Lektor zu verkaufen. Außerdem haben Verlage nicht die Pflicht und schon gar nicht das [marktwirtschaftliche] Interesse, jeden in ihr Programm zu nehmen der einen Stift halbwegs gerade halten kann und seine geistigen Ergüsse unbedingt preisgeben will -- außer er macht sich den Islam-AlQuaida-Terror-Öl-Bush-Globalisierungs-Effekt zu nutze, er hat mal bei der Bild gearbeitet oder er heißt Dieter Bohlen. Was würde also ein Lektor ohne Bücher machen? Selbst welche schreiben kann er nicht -- sonst hätte er es längst getan.
Ohne Bücher würde der Lektor von keinem der Autoren post bekommen, würde keiner der Autoren ihm schreiben und er könnte kein es lesen und denken er wüsste danach über die seelische Verfassung eines weiteren Menschen bescheid; er könnte keine Alliterationen mehr zählen, sein Nebensatzzusammenhangsverstand wäre nutzlos, er könnte aus den Blättern die er für schlecht befindet keine Papierflieger basteln und sie dann gekonnt [da trainiert] in den Papierkorb fliegen lassen. Der Papierkorb wäre leer und keinerlei gedanken wären darin eingesperrt, die Autoren würden ihre gedanken nicht niederschreiben und sich zurückziehen sondern müssten ihre Gedanken anderen erzählen um sie zu verbreiten und müssten dem anderen gegenüber stehen wenn sie gerade über ihn her ziehen, sie müssten eventuellen Fragen standhalten und vielleicht sogar über ihre Gedankenwelten diskutieren und sie reformieren, der Lektor würde sich irgendwann aus langeweile in ein Café begeben und dort eventuell auf einen der Autoren stoßen deren Werk er weggeworfen hat, weil er es nicht verstanden hat--und der Autor würde ihm sein Werk erklären und der Lektor würde sich schämen weil er die letzte Metapher falsch in seinem Metaphernlexikon nachgeschlagen hat und der Autor würde ihn verstehen weil genau darin das Problem lag, über das er geschrieben hatte.
:: Rebell :: 26. Jan 2003 :: 00:58 Uhr ::
Heute will ich berühmt werden. Das sagen viele, aber heute habe ich allen Grund dazu. Ich habe mich heute nämlich nicht verändert. Ich habe ferngesehen. Ich habe Colawerbung gesehen und keine Cola gekauft. Fuck was rede ich für einen dahergesagten blödsinn? Das ist wohl der größte scheiß den ich jeh geschrieben habe. Sieben Sätze, sieben mal ich -- nun acht. Was ist an mir denn so besonders, dass ich in jedem Satz vorkommen muss? Es ist nichts besonders an mir, und gerade diese Identitätsleere muss ich wohl innerlich durch egozentisches denken kompensieren. Doch in der Erkenntnis, dass ich nichts besonderes bin steckt natürlich auch die Frage, warum ich dann diese Zeilen schreibe und kein anderer. Vielleicht ist ja jeder was besonderes, und weil jeder etwas besonderes ist ist "besonders-sein" nichts aufregendes und -- na? -- besonderes mehr. Katze die sich in' Sack beißt oder so. Und doch suggeriert uns die Werbung, dass wir alle, jeder Einzelne von uns das Potential zu etwas besonderem hat und dieses auch verwirklichen könnte -- natürlich vorausgesetzt wir kaufen uns das angepriesene Produkt. Auch diese Kritik ist nichts besonderes -- sie war schon viele tausend Mal ausgesprochen und ungehört verhallt -- nein, nichteinmal ungehört, denn es ist Trendy, Rebell zu sein. Rebellen der Plattenkonzerne nehmen rebellische Lieder auf, deren Texte sie nicht selbst geschrieben haben und deren Sinn sie nicht verstehen, ja, nicht verstehen brauchen, denn wer hört schon noch auf den Text, wenn da ein rebellisches Mädchen um die 16 ihr Liedchen trällert und dabei ihre rebellisch aufgeschlitzen Klamotten (inzwischen maschinell fertigbar -- genau wie der "worn"-look, der durch Sandbestrahlung komerziell in die Produktpalette gekommen ist. Muss auch sein, denn ein Trend kommt schneller als eine Hose 5 Jahre lang getragen ist und er ginge wahrscheinlich bevor die "realitiy-weariness" erkennbar wäre) -- wir waren bei den rebellisch aufgeschlitzten Klamotten -- die wirbeln nämlich wunderbar durch die Luft und zeigen die rebellisch kurzen Höschen drunter. Da ist alle rebellion schnell verdrängt, wenn einem vorgegaukelt wird, dieses Mädchen ist so schmutzig und dreckig und rebellisch -- die kann man auf jeder Straße augabeln, die gibt's überall -- doch pech gehabt. Die echten stehen leider nicht auf pseudos. Was tun, wenn man "richtiger" Rebell sein will unter lauter komerzialisierten? Am besten nicht kommerzialisiert sein. Toll. Woran erkennt man dass? An den lange getragenen Hosen? Mit denen fällt man nicht sehr auf unter lauter anderen, die sich ihre Hosen maschinell vorgetragen vor einer Woche gekauft haben weil sie sein wollten wie das 16 jährige Mädchen im Fernsehen. Soll man sich nun edel anziehen um rebellisch zu wirken? Sind Armani und Boss die neuen Namen der Rebellion? Wie wäre es da mit altmodisch? Altmodisch klingt nicht gerade nach neuem Lebensgefühl, doch wenn einem alles neue verkommerzialisiert wird, dann muss man auf andere Werte zurückgreifen -- ha! Wortspiel. Toll. Zurück zum Thema: Eigentlich mahne ich hier Dinge an, die auch meinem Großvater schon misfallen haben. "Immer diese Jugend" -- ist dass der Wahlspruch der neuen Rebellion gegen die Rebellion? Regress! Rückschritt! Diese Wörter haben einen herrlich negativen Klang. Progress! Fortschritt! Zukunft! Das sind doch Wörter deren Zettel auf denen sie geschrieben stehen auf dem Mind-Mapping-Board im Manager Kurs 3 für Fortgeschrittene Engeneering Manager auf die Seite der Glückshormonauslöser gepinnt werden. Doch ist jeder Fortschritt ein Fortschritt? Klingt schon wieder nach Pseudo-rebellion, lasst es mich anders versuchen. Was waren die Werte von gestern die wir heute vermissen? Verlässlichkeit, Sicherheit, Freundschaft -- alles hängt eng miteinander zusammen und ist eines nicht: Verkäuflich. Schade mein Herr mit dem dicken Geldbeutel -- ich bin weder heiß auf einen Plattenvertrag, noch auf ihre Freundschaft -- genau die, die mit dem Mikrofon in der Tasche und dem Gedanken-aus-dem-Hirn-saug Effekt. Kein brainclashing, thoughthundering, idealightning. Ist es nicht toll, dass eine Nachricht über "die Neue" des Prinzen länger ist, als eine Nachricht über 50 Tote in Uganda? Wer weiß denn bitte schon, wo Uganda ist? Aber wie das zukünftig zu zeugende Kind der beiden, die in zwei Wochen laut Umfrage zu 30% wieder auseinander sein werden heißen wird, dass ist interessant. Da erfährt man dann mal so nebenbei, dass Namensfindung nicht einfach ist. Dass das Kind dann zu 70% nur ein Elternteil hat interessiert erstmal auch keinen, auch nicht wie das überhaupt gehen soll. Fakten, Fakten, Fakten, Fakten, Fakten, Fuck Ten!
und wie man sie interpretiert ist jedem selbst üöberlassen, bzw. wird niemand anfangen Fakten selbst zu interpretieren. Man ist ja nicht 100 % informiert. Und doch kann man im nächsten Gespräch mit jemandem, der sich damit auskennt (90% nicht aus den gelben Seiten) damit protzen. "Island hat mit einer Internet-Penetration von 80 % europaweit den höchsten Anteil an Internet-Nutzern!" wow. Bin beeindruckt. Insgesamt sind das dann ca. 216.000 -- ungefähr so viele wie allein in Nürnberg. Fakten dienen einer Untermauerung der jeweiligen These. Jedoch meist der einen genau wie der anderen, doch ich weiche ab. Ich war bei ganz normalen Fuck Ten:
1. Fuck Konsumterror
2. Fuck Powermerchandising
3. Fuck Pseudorebellen
4. Fuck Pseudorocker
5. Fuck Private Nachrichtensendungen
6. Fuck Gala, Praline, Bild & Co
7. Fuck Inkompetenzredner
8. Fuck Faktennachlaberer
9. Fuck Bildschirm
10. Fuck Ten
Das war sehr rebellisch, Danke für die Aufmerksamkeit.
:: negativ-promotion :: 24. Jan 2003 :: 01:35 Uhr ::
Einmal im Jahr ist die Zeit, da nette 4t Klässler sich eine neue Schule suchen, denn für die alte sind sie "zu groß" geworden... Wenn man eine neue Schule sucht, was gibt es da besseres als mal um sich werben zu lassen, denn die Klassen unserer Schulen sind zwar überall zu groß, aber trotzdem will jede Schule noch mehr, so wie ein kleines Kind nie genug Schokolade haben kann. So schauen sie dann auch aus, die zukünftigen 5t Klässler--ein bisschen zu viel Schokolade scheinen sie alle abbekommen zu haben, nicht etwa weil alle zu dick sind [das wäre wohl eher ein Thema für die privaten Nachrichtensendungen], sondern weil sie ja noch kein Alkohol trinken und andere Drogen zu sich nehmen. So bleibt nur der griff zur Schoki und alle zukünftigen ehemaligen Grundschüler werden an einem Abend schokigedopet in die Schule gezerrt [eigentlich viel mehr die Eltern, denn die sind diejenigen die letztenendes die Wahl haben, doch Eltern mögen keine Schoki--hier haben Schule und Eltern schon eine geheime Allianz geschlossen und erhalten den kleinen die Illusion aufrecht, dass sie es sind, um deren Entscheidung es hier geht], in Gruppen eingeteilt und in kohärenten Intervallen auf einzelne Promotion-Bereiche wie z.B. das Musikzimmer, in dem sich 30 glückliche schon-Schüler der Schule versammelt haben um den potenziellen zukünftigen Mitschülern ein ständchen zu singen oder in den Chemie Saal, in dem ein lustiger Lehrer--der vielleicht am Nachmittag gerade wieder ein oder zwei Schulaufgaben so bewertet hat, dass die entsprechenden schon-Schüler durchfallen werden--es gar nicht erwarten kann ihnen vorzuführen, dass wenn man ein rotes Pulver und ein weißes Pulver mischt ein blaues dabei heraus kommt. Was für Stoffe das sind ist erstmal egal, es geht um den Spaß--der Ernst beginnt wenn die Kinder auf der Schule sind. Es gibt noch eine Attraktion: Die Physik. Die meißten Erwachsenen können sich noch dunkel daran erinnern, dass auch sie einmal mit etwas derartigem gequält wurden, die Kinder--auch auf diesem Gebiet noch Jungfrauen--stürzen sich jedoch sofort auf die Spielzeuge, die sich erst in ein paar Jahren als Folterwerkzeuge entpuppen sollten. Da gibt es ein "Ding", bei dem wenn man dreht dann hinten ein Licht leuchtet [Durchschnittliche Standzeit eines Kindes 10 Sekunden--meist Jungen], da gibt es ein "Ding", dass blitzt und ein bisschen peng macht [Standzeit: 20 sek.--ausschließlich Jungen] und es gibt ein Mikrofon [begriff bekannt aus der MiniPlayback-Show--dieses Exemplar entbehrt jedoch jeglichem Design und hat auch kein Sternenstaub drauf], an das ein "Ding" angeschlossen ist das eine zittrige grüne Linie anzeigt die sich danach bewegt, wie laut und mit welcher Frequenz man in das Mikro brüllt. Das ist für viele nicht so interessant--kein Bumm, kein Krach, kein geblitze--doch es gibt eine kleine minderheit von Mädchen, die sich eben diese Gerätschaft aussuchen, um ihre Stimme zu testen, und so geht es dann los mit einem schüchternem "Schnipp", gefolgt von einem leisen "Buh" in Richtung des Mikros. Dann ein "Aaahhh" das kurzzeitig etwas Zahnarztstimmung in die ganze Szenerie bringt, gefolgt von einem "uuhhhaahhhhiihhhoohhh" mit leichtem creszendo. Hier ist dann der Punkt erreicht, an dem man sich langsam Sorgen darüber macht, ob die kleinen schon wissen, was "Frequenz" ist--diese Sorgen kann man jedoch bald schon vergessen, denn es ist egal ob ein kleines Mädchen, das bis jetzt still einem Schulleiter, dann still einem Schülerchor und letztenendes noch still einem grinsenden Chemiefreak gelauscht hat weiß, was Frequenz ist--ein solches Mädchen weiß, was stille ist, und dass sie diese nicht mehr haben will. So steigert sich das "uuhhhaahhhhiihhhoohhh" stufenlos expotential zu einem "IiehhAAhWaaawaaawooowiiiiiii", immer lauter und schriller werdend, mal alleine, mal im Mini-chor und das tolle ist, dass wenn man es gaaanz laut macht auch die anderen aufhören zu reden und die Anzeige dieses "Dinges" sich ganz auf die süße klare hohe Stimme des Mädchens konzentrieren kann. Verzaubert von der eigenen Schaffenskraft geht das creszendo über ein mezzoforte und forte bald auf ein fortissimo zu und scheint dieses noch überbieten zu wollen, bis endlich irgend ein Lehrer einschreitet und das Gerät ausschaltet [7 min] und der zittrige grüne Strich verschwindet. Diese Schule hat dieses liebevolle kleine Mädchen nicht verdient.
:: stress intravenös :: 22. Jan 2003 :: 16:08 Uhr ::
Nun ja, ich denke nicht, dass die Vollversammlung einer Kollegstufe von knapp 60 Leuten eine Entspannungstherapie ist, aber ich muss zugeben dass ich dachte, dass es bei Leuten die bald ihr Abitur haben wollen möglich wäre, dem ganzen einen professionellen und konzentrierten touch zu geben, so dass diese Versammlung--die bestimmt niemandem super gefällt--möglichst schnell von statten geht. Und dann bin ich auch noch derjenige der sich--da es kein anderer machen will--dazu bereit erklärt das ganze zu moderieren. Ok, selbst schuld, aber wenn es keiner macht dann gibt das ein noch größeres Chaos. Also rein in die Höhle des Löwen und möglichst schnell hinter mich bringen. Denkste. Die einen sind zwar Meinungsmäßig auf meiner Seite--was sie durch lautes Aufstöhnen beim anblick der Tagesordnung äussern--den anderen kann es jedoch nicht genug Diskussion sein, und nach einigen kleinen Hinweisen, wir sollten langsam mal zum nächsten Thema kommen, fangen auch sie an sich beim Moderator zu beschweren, weil sie das unbedingt bis ins kleinste durchdisskutieren müssten, wärend die anderen noch dabei sind, sich zu beschweren dass es zu lange dauert. Meine eigene Meinung ist mir egal, solange ich moderiere, und so versuche ich nur einen möglichst erträglichen Mittelweg zu finden, um alle einigermaßen zufrieden zu stellen. Beim nächsten Thema sind die Rollen wieder durchgemischt und die, die sich gerade noch [meiner Meinung nach verständlicher Weise] beschwert haben, dass es zu lange dauert wollen nicht mehr aufhören den gebildeten Arbeitsgruppen so viel wie möglich reinzureden, ohne jemals vorher ihre Ideen auf einer entsprechenden Arbeitsgruppensitzung bekannt zu geben. Nach einigen Minuten fallen dann die obligatorischen "ez mann, könnt ihr net endlich aufhörn, ich will heim!!" rufe, gefolgt von gegenrufen der gegenseite, wenn sie wollen sollten sie doch einfach heim gehen. Geht aber nicht, denn die warten ja auf das nächste Thema bei dem sie sich wieder kräftig Profilieren müssen und damit--und insgesamt mit dieser sich gegenseitig immer weiter aufwiegelnden Selbstdarstellershow--den gesamten Ablauf noch mehr in die länge zu ziehen. Hat man es als Moderator dann geschafft, alle Themen halbwegs zu besprechen und auch noch in einer halbwegs erträglichen Zeit fertig zu werden bekommt man von keiner Seite mehr lob. Den einen ist sowieso alles egal, die anderen sind sauer weil sie nicht genug ihre psyche auskippen und an den Ohren der anderen abreiben konnten, die nächsten sind sauer weil die vorigen sich zu lange ausgelassen haben und sie deswegen ihr von Mami bereitetes Mahl nochmal alleine in der Microwelle aufbereiten müssen. Einige sind einfach sauer, weil sie sich denken jetzt sauer zu sein ist cool und am besten wird der Moderator auch noch mal mit einer Message wie "oh man, des hat doch ez garnix gebracht" oder "ich hasse solche Sitzungen" beschenkt. Als Moderator kann man die Stifte und Listen, die man am Vortag schon vorbereitet hat wieder einsammeln und sie am Nachmittag noch auswerten. Aber erstmal kann man aufatmen, denn dadurch, dass man sich für etwas verausgabt hat, was man eigentlich nicht machen wollte hat man jetzt auch ein paar neue Feinde.
:: start :: 22. Jan 2003 :: 00:13 Uhr ::
So, es ist Nacht und ich sollte jetzt eigentlich entweder im Bett liegen und ein bischen recreation betreiben oder etwas für meine Facharbeit machen [oder etwas für mein Englischreferat tun]. Ällabätsch. Ich schreibe hier für mich und meinen Zweck allein noch diesen einen ersten Text. Es gibt wichtigeres im Leben als Facharbeit und Referat--Alkohol zum Beispiel, oder Homepage. Da ich gerade keinen Alkohol da habe schreibe ich jetzt für meine hp was--ein bisschen aus langeweile und ein bischen aus dem Grund weil ich neulich auf dem Zettel neben meinem Bett die Nachricht "schreib log zum späteren reflektieren" gefunden habe und mich nicht daran erinnern kann wann, bzw. ob ich das geschrieben habe. In diesem ersten log sollte ich mich etwas vorstellen. Ich bin jemand aus der Bildungsbranche und vor allem im Anglistik und Naturwissenschaftlich-Physikalischen Bereich tätig [Schüler, Englisch & Physik Leistungskurs]. Ich werde dieses log also zum späteren reflektieren benutzen--ich hab mir das so gedacht, dass es inzwischen viel zu viel Berichterstattung über irgendwelchen Schund [vorallem] im Fernsehn gibt. Ich will nichts mehr von diesem ganzen dreck hören, ich will mit dieser Seite einen selbstversuch wagen und mir aktuelle Dinge, die mich bewegen aufschreiben und sehen, ob sie auch in einem halben Jahr oder in drei Jahren noch das hergeben, was sie für mich mal hergegeben haben. Das sollte fürs erste mal reichen, gut Nacht allerseits.